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Chronik der Gesellschaft
Die Gründung der KG Fidelio von 1893 e.V.
Die Karnevalsgesellschaft „Fidelio“ von 1893 e.V. Elsdorf ist sowohl Mitglied im „Bund deutscher Karneval“, BDK-Nr. 1732, als auch im „Karnevalsverband Rhein/Erft“, KRE-Nr. 041.
„Fidelio“ kommt vom lateinischen Fidelis (treu - getreu - zuverlässig).
1892 hat Rudolf Diesel seinen ersten Motor gebaut und Luis Trenker ist in St. Ulrich geboren worden.
1893 wurde die KG Fidelio gegründet; ansonsten fanden in der Weltgeschichte keine wichtigen Ereignisse statt.
Also 111 Jahre KG Fidelio, und wie es so üblich ist, wollen wir diese 111 Jahre einmal Revue passieren lassen.
Die Anfänge der Gesellschaft entziehen sich allerdings einer exakten und alles umfassenden Dokumentation, wie sie sonst in Chroniken
üblich ist. In solch einem Fall sprechen Historiker von einer schlechten Quellenlage und es bleibt dann nur der Versuch übrig, auf
überlieferte Geschichten zurückzugreifen.
Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg
Man schrieb den 1.1. 1893 ... in der Gastwirtschaft Simon Gatzweiler traf sich wie an jedem Sonn- und Feiertag eine kleine Anzahl
fröhlicher junger Männer, die sich „bützfähige Jonge“ nannten. Diesem Freundeskreis lag die Pflege und Erhaltung der Fastnacht sehr
am Herzen, und so gründeten sie an jenem denkwürdigen Neujahrstag 1893 eine Karnevalsgesellschaft, der sie auf Vorschlag von
Heinrich Bockwoldt den Namen „Fidelio“ gaben.
Neben dem Namensgeber der KG sind als Gründungsmitglieder noch folgende Fidelianer bekannt : Jean Bender, Karl Bühnagelsen.,
Lambert Gartzweiler, Heinrich Heck - der auch später Präsident der Gesellschaft wurde - sein Bruder Jakob Heck - später
Ehrenpräsident - Willi Stein und Gehard Wirtz.
Es wird unter alten Fidelianern vermutet, dass bei der Gründung der Gesellschaft das „Aqua Vita“ (Kornbrand) eine Rolle spielte. So soll
nach etlichen geistigen Getränken die Gründungsurkunde akurat in Worte gefasst und fein säuberlich niedergeschrieben worden sein.
Das Dokument steckte man alsbald in eine leere nach Korn duftende Flasche. Das vormals geistige Gertänke beherbergende Behältnis
wurde dann im Schornstein der Ringofenziegelei eingemauert. Der Schornstein soll seit dem Tag, an dem er die Flasche Korn intus hatte,
immer leichte Seitenlage gehabt haben ... blieb aber trotz der fröhlichen Neigung standhaft bis zum Abbruch 1967.
Obwoh das damalige Elferratsmitglied Jean Keuth bei der Demontage des Kamins anwesend war und im Interesse der KG Fidelio eine
Belohnung von 200,- DM aussetzte, kam die dubiose Flasche nicht zum Vorschein.
Die gute alte Zeit der Gesellschaft vor dem ersten Weltkrieg ist ziemlich im Dunkeln gehüllt, da keine schriftlichen Aufzeichnungen über
die Versammlungen mehr vorhanden sind.
Einem Zeitungsinterview von Gründungsmitglied Jakob Heck anlässlich des 60jährigen Jubiläums der KG Fidelio ist zu entnehmen, dass
schon vor der Jahrhundertwende mit kleinen Fastnachtsumzügen begonnen wurde, die dann in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts zu
richtigen Karnevalsumzügen auswuchsen. Von weither kamen damals die Besucher, die von dem karnevalsfreudigen Elsdorf gehört hatten,
an den drei närischen Tagen.
Ein Kassenbuch aus dem Jahre 1902 besagt, dass bei den freiwilligen Sammlungen für die Verschönerung des Zuges 142,42 DM
eingegangen waren.
Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen
Gerade sechs Wochen nach der ersten Versammlung fand in Elsdorf die 1. Damensitzung nach dem Krieg statt, und zwar am Neujahrstag
1920. Als Sitzungspräsident fungierte der damalige Fidelio-Vorsitzende Michael Huppertz. Da zu dieser Zeit noch sämtliche
Karnevalsveranstaltungen verboten waren, deklarierte man die Damensitzung und die Veranstaltungen der nächsten Jahre als
Familienfeiern. Grössere Familienfeiern hat es in Elsdorf - wo ja an vielköpfigen Sippenfesten wahrhaftig kein Mangel ist - nie wieder
gegeben : Die Fidelio galt besatzungsbehördenamtlich als Familie.
Auf einen vollständigen Fastelovend mussten die Elsforfer noch bis 1927 warten, denn erst in diesem Jahr konnte man die erste
Kappenfahrt (Narrenfahrt) durch den Ort veranstalten.
Die Fidelianer verloren trotzdem nicht ihrem Humor.
Als Spiegelbild seiner Zeit kann man das Kassenbuch der Gesellschaft bezeichnen. Ein wenig schmerzlich ist es, Eintragungen zu sehen
wie
- 20 Pfd. Kamellen 10,00 DM
- 50 l Bier 9,50 DM
aus dem Jahre 1906/1907.
Amüsant dagegen die Zahlen der Inlationszeit, in der 102 l Bier mit 51.000 Millionen bezahlt wurden. Aus dem Kassenbuch geht auch hervor, dass die KG Fidelio im Jahre 1926 von jedem Mitglied 0,20 DM Nachzahlung erhalten hatte und das dies einen Betrag von 50,80 DM ausmachte.
Die KG Fidelio hatte im Jahre 1926 254 Mitglieder.
1927 war es dann endlich soweit. Der erste Rosenmontagszug nach dem ersten Weltkrieg wurde gestartet. Für diesen Umzug mussten u.a. aus der Gesellschaftskasse aufgewendet werden :
- 10,00 DM Abgaben nach Bergheim für Verwaltungskosten
- 58,00 DM Erlaubnis für die Kappenfahrt, Stempelsteuer und Verlängerung der Polizeistunde
- 10,00 DM an Hubert Kaiser für die Anfertigung von 20 Pferdedecken
- 1,40 DM für Riemenhalter der Prinzengarde
- 100,00 DM für Apfelsinen und Bonbons des Prinz Karnevals
Die Karnevalstage des Jahres 1928 sind als die kältesten in die Geschichte der KG Fidelio eingegangen.
Ein Blick auf die stattliche Tolitäten- und Präsidentenliste zeigt, dass das karnevalistische Wirken der Gesellschaft bis 1939 kontinuierlich anhielt.
Der 2. Weltkrieg brach aus und die KG Fidelio, die seit 1938 beim Amtsgericht Bergheim an das Vereinsregister Nr. 32 eingetragen war, musste ihre Tätigkeit ruhen lassen.
Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg
Ebenso wie nach dem 1. Weltkrieg rappelte sich der harte, sprich lustige Kern der „Fidelio“ mit Schläue, Witz und jenem unwiderstehlichen rheinischen Optimismus, der kein Hindernis als unüberwindlich gelten lässt, nach dem Zusammenbruch 1945 wieder auf; zuerst in kleinen Grüppchen und dann schon wieder offiziell.
Im Oktober 1945 eröffnete der langjährige Präsident Josef Hamacher die erste Versammlung. Waren es nach dem 1. Weltkrieg die Familienfeiern, die für das Karnevalstreiben herhalten mussten, so erhielt die „Fidelio“ den Deckmantel als „Pflegerin der Volksbräuche“. Hinter dieser Bezeichnung existierte nun die Gesellschaft, denn die öffentliche Narretei war je nach Strenge der Ortskommandantur verboten.
Die erste Sitzung fand im ehemaligen Kinosaal Bodewig statt.
Der von uns allen hoch geachtete Ehrenvorsitzende der KG Fidelio, Willi Büttgen, wusste zu berichten, dass damals die Brikettwährung galt, und zwar kostete der Eintritt „ene Klütt“ und als ob es zur Zuckerfabrik ginge, strömten die Besucher mit gut gefüllten Aktentaschen zur Veranstaltung.
Was mag wohl in den Taschen gewesen sein ? Richtig, selbstgebrannter Zuckerrübenschnaps, mit dem sich ordentlich eingeheizt wurde.
Die Situng wurde ausschliesslich mit eigenen Kräften gestaltet. Es war urwüchsiger Fasteleer, wie man ihn heute kaum noch kennt.
Im April 1960 war es dann soweit :
In einem Zeitungsartikel hiess es, junge schon seit einigen Jahren im Karneval erprobte Männer ergriffen die Initative auf der Generalversammlunbg der KG Fidelio bei Heller (Zur Deutschen Flote). Sie wollen dem Elsdorfer Karneval wieder zu dem altem Ansehen verhelfen. Die zuvor gemeinten jungen Männer kamen alle aus der Dorfkapelle, die es schon seit 1951 verstanden, den Karneval urtümlich „us Spass an d´r Freud“ zu feiern.
An der Spitze stand der Kapellmeister Günter Steinhoff. Der „kleine Günter“ wurde dann auch auf der Generalversammlung zum neuen Präsidenten gewählt.
Mit dem neuen Präsidenten Steinhoff kamen auch einige Änderungen. Mit der Session 1960/1961 wurde der Karnevalsumzug vom Rosenmontag auf den Karnevals-Sonntag verlegt. Gleichzeitig erhielt der Fastelovenszug den schönen Namen „Zuckerwürfelzug“.
Im Jahre 1962 stand zum ersten Mal ein Dreigestirn an der Spitze des Elsdofer Fasteleers.
Bis 1961 regierte nämlich seit der Gründerzeit ein Prinz mit zwei Pagen das närrische Volk von Elsdorf.
Erwähnt seien an dieser Stelle auch die Namen des ersten Dreigestirns der KG Fidelio:
Angeführt wurde das Trifolium von Prinz Reinhold Neb (der am 11. Februar 1996 im Alter von 72 Jahren leider viel zu früh verstarb), ihm zur Seite standen Bauer Willi Steinbach und Jungfrau Josef Wiedenfeld.
Einen Prinzenführer gab es erst 1963.
Ein weiterer und hier erwähnenswerter Einschnitt in die Geschichte der KG Fidelio war die Wiederbelebung der Sitzung mit einheimischen Kräften im Jahr 1980 durch den damaligen Vorsitzenden Willi Büttgen, der den ursprünglichen, liebenswerten und harmlosen Fasteleer liebte und aufrecht erhalten wollte.
Damit wurde eine alte Tradition der KG Fidelio, sämtliche Programmteile mit eigenen Aktiven zu bestreiten, wieder aufgenommen.
In den Jahren 1979 bis 1994 ging es mit den Präsidenten Paul Püllen (1979 bis 1985) und Günter Steinhoff (1986 bis 1994) erfolgreich weiter.
Ein Jahr später, in der der Session 1994/1995, trat Günter Steinhoff mit seinem Elferrat zurück, um „der Jugend eine Chance zu geben“.
Neu-Präsident Wofgang Teichert baute einen neuen Elferrat auf und leitet seitdem alle Fidelio-Sitzungen.
Das 100jährige Bestehen der KG Fidelio wurde in einem würdigen Rahmen unter der Schirmherrin Doris Schmitz - Volksbank Erft - gefeiert.
Ebenso ist die Volksbank Erft eG wieder Schirmherr bei der Jubiläumssession 2003/2004 zum 111-jährigen Bestehen.
Heute führt die KG Fidelio von 1893 e.V. Elsdorf in jedem Jahr folgende Veranstaltungen durch :
- Karnevalsauftakt zum 11.11.
- Proklamation des Dreigestirns im Rahmen einer Prunksitzung
- Funkenbiwak am Tag nach der Proklamation
- Mädchensitzung
- Herrensitzung
- Kindersitzung
- an Weiberfastnacht Möhneball im Festzelt
- Galasitzung am Karnevals-Samstag
- Zuckerwürfelzug am Karnevals-Sonntag, anschl. Tanz im Festzelt
- Rosenmontag: Clowntreffen
- Karnevalsausklang am Karnevals-Dienstag
